Vom Norden Perus bis ans südliche Ende des südamerikanischen Kontinents: Radreise von Trujillo nach Punta Arenas travel blog

Die Plaza von San Pablo de Lipez.

Etwas ausserhalb von San Pablo de Lipez gab's viele Vicuñas zu sehen.

Auf dem letzten Anstieg des Tages vor San Antonio de Lipez -...

Am Dorfeingang zu San Antonio de Lipez.

Blick auf den Cerro Lipez und kurz vor San Antonio viejo

Das seit mehr als 15 Jahren verlassene alte San Antonio de Lipez..

Eine der unzähligen kurzen, harmlos aussehenden Steigungen, Hochstossen ohne Pausen unmöglich.

Panorama vom 4'900er Pass mit der Laguna Morijon im Hintergrund.


Bevor ich am nächsten Morgen nach 9 Uhr startete bekam ich noch fünf frisch gebackene Brötchen von der Hostalbesitzerin geschenkt, als Brauch von Todos los Santos (Allerheiligen)! Etwas ausserhalb des Dorfes kam ich an der grössten Herde Vicuñas vorbei, die ich je gesehen hatte, sie zählte unglaubliche 37 Tiere. Zu beginn verlief die Etappe noch entlang des nicht sehr viel Wasser führenden, aber verzweigten Rio San Pablo bevor dieser nach Norden abbog und die Piste gerade hinaus in die Ebene „Cocanipampa“ hinaus führte. In der Ferne, etwa 30 km südwestlich grüssten die etwas unter 6'000 m hohen Cerro Lipez und Cerro Trinidad, welche in der Nähe von meinem Tagesziel lagen und deren Gipfel mit etwas Schnee bepudert waren. Eine Hügelkette und eine sehr sandige Ebene weiter mündete mein „dirt track“ wieder in eine Piste, welche kurz darauf dem hübschen Flüsschen (wohl eher ein grösserer Bach) „Rio Escala“ entlang führte, dessen Wasser schön klar aussah. Etwas weiter überquerte mein „Weg“ den eben genannten „Rio“ und stieg mehr oder weniger sanft aus dem Flusstal gegen Südwesten heraus. Wieder etwas an Höhe gewonnen ergaben sich nochmals nette Ausblicke zurück in Richtung Paso del Diablo, den ich ja am Tag zuvor überquert hatte. Ein vorbeifahrender Tourenjeep (einer von vier, denen ich im verlaufe des Tages begegnet war) erinnerte mich daran, dass das Tagesziel nicht mehr weit entfernt war, und tatsächlich, vom höchsten Punkt sah ich dann auch schon auf das Dorf San Antonio de Lipez. Die Abfahrt ins 80 m tiefer gelegene Tal war dann recht rasant, ganz im Gegensatz zum Tempo, das ich auf den letzten paar Kilometer bis zum Dorf hinlegte. Die Piste war nun plötzlich sehr steinig und damit schlecht befahrbar geworden und so war ich wieder einmal sehr froh am frühen Nachmittag in der Zivilisation angekommen zu sein. Die in einem breiten Tal gelegene Siedlung an den Ausläufern des Cerro Lipez gelegen war dabei eine eher triste Ansammlung von Lehmhäusern. Trotz aller Einfachheit, den der Ort ausstrahlte, der Fortschritt hatte auch hier schon Einzug gehalten. Davon zeugten unter anderem die kleine Solarpanels , welche da und dort zu sehen waren.

Etwas unterhalb der Strasse, im südlichen Teil des Dorfes, kam ich in Jaimes „Hostal“ unter. Als Hostal zu bezeichnen ist etwas übertrieben, aber was will man im Hochland Boliviens noch mehr: ein Dach über dem Kopf und die Gesellschaft von Menschen. Ich bekam einen grossen, einfachen, aber sauberen Raum mit ein paar Betten für mich alleine. Die Familie war sehr nett. Die Ehefrau von Jaime – die sich um das zwei Monate alte Baby kümmerte, brachte mir bald einmal etwas zum Essen! Die Suppe aus, Mais, Tomate und Zwiebel mit einem Stück Fleisch war sehr gut und genau das, was ich brauchte. Den Nachschlag nahm ich dankend an. Was mich als 1. Welt Geschädigter etwas irritierte war der wohl etwa 2 jährige Knabe, der direkt vor die Türe pinkelte. Seine ältere Schwester schien das nicht zu stören... Etwas gestärkt spazierte ich etwas im Dorf herum. Die zwei, drei kleinen Läden waren offenbar alle zu, da ja Todos los Santos, also Allerheiligen war, und man auf dem kleinen Friedhof ausserhalb des Dorfes den verstorbenen Familienangehörigen bedachte und dies unter anderem mit viel Alkohol... Bei der kleinen Kapelle traff ich auf die einzigen Touristen ausser mir – Norteamericanos (Nordamerikaner), welche auf einer geführten Tour mit einem Jeep unterwegs waren. Es war eine nette Plauderei, welche aber bald von ihrem Abendessenstermin (es war auch bereits am Dämmern (ca. 18 Uhr)) unterbrochen wurde. Ich hatte mittlerweile auch schon wieder Hunger und Durst. Ich schnorrte mir noch ein Süssgetränk von den sympathischen Touris ab, bevor ich mich von ihnen verabschiedete. In der Unterkunft war niemand da und ich bekam in Anbetracht der fortgeschrittenen Stunde bereits leichte Zweifel, was das Abendessen anging. Ich dachte bereits daran, mir selber was zu kochen, aber als es bereits Nacht war trudelte die Familie endlich ein und so assen wir dann alle zusammen im Wohn-Küchenzimmer. Von Jaime erfuhr ich, dass man in San Antonio mehrheitlich in Mienen arbeitet, es werden aber auch Schafe, Lamas und Alpakas gezüchtet. Vicuñas würden auch gejagt werden, es gebe Kontingente (irgendwie zweifelte ich an dieser Aussage). Wir kamen unter anderem noch auf's Fahrradfahren zu sprechen und Jaime erzählte mir, dass er in jungen Jahren mit seinem Bruder in einem Tag nach Uyuni gefahren sei (Luftlinie: ca. 146 km; ob das wohl möglich ist, von den Höhenmetern und den miesen Pisten ganz zu schweigen) Strom gibt es in San Antonio seit etwa drei Jahren. Für den Notfall gibt es einen „Puesto de salud“, so was wie ein Erste Hilfe Posten, aber für ernsthafte Fälle muss der Ambulanzwagen aus dem einzigen Dorf in der Nähe – San Pablo de Lipez – gerufen werden und dann sind es noch ca. 4.5 holprige Fahrstunden bis Tupiza. Gemäss Jaime seien auch schon Patienten während der Fahrt verstorben, was, so traurig es ist, leider nicht weiter wunderlich ist. Verglichen mit solchen Notfällen waren mein Wehwehchen weniger wie Peenuts, welches mich aber trotzdem etwas belastete . Seit dem Tag zu vor hatte ich Schmerzen und eine Schwellung auf der Oberseite des linken Unterarms. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch es käme von dem vielen Schalten. So „gönnte“ ich mir dann ein Voltaren Retard vor dem Einschlafen.

Am nächsten Morgen war die Schwellung bereits weniger und auch die Schmerzen waren kaum mehr da, aber trotzdem nahm ich nochmals eine Tablette – ein paar Ruhetage wären im Nachhinein aber viel schlauer gewesen. Ich kaufte noch 2 Liter Trinkwasser bei Jaime – die Läden im Dorf waren immer noch zu – und verabschiedete mich von der Familie, wobei Jaime und den drei älteren Kindern auf dem Abschiedsfoto nicht sehr glücklich wirkten. Das war mir in dem Moment nicht wirklich bewusst. Ich hatte anderes im Kopf, als ich das Dorf Flussaufwärts gegen Süden in Richtung Berge verliess. Der Vado (Furt) durch den Rio Lipez etwas ausserhalb von San Antonio war einfach zu durchqueren. Die erste knappe Fahrstunde war noch gemütlich, da die Piste noch dem Rio Lipéz entlang führte. Dies änderte sich aber schlagartig als sie nach links den Hang hinauf führte. Die Durchschnittsgeschwindigkeit halbierte sich kurzfristig auf „Spaziertempo“, und es gab immer wieder die Situation, dass ohne eine kurze Pause eben nichts mehr ging. Bei der schlechten Piste und dem Gewicht des Fahrrads war das auch kein Wunder. Immerhin entschädigte die Ausssicht auf den Cerro Lipez ein wenig für die Anstrengungen. Fast drei Stunden und 500 überwunden Höhenmeter kam ich dann beim alten San Antonio an. Bis ca. 1997 (?) war das Dörfchen noch bewohnt, aber ein Erdbeben (?) veranlasste die Bewohner diesen unwirtlichen Ort zu verlassen und zum jetzigen Standort umzusiedeln. Von den Häusern sind nur noch Ruinen übrig, was diesem Ort etwas gespenstisches verlieh. Der Track verlief nun in nordwestlicher Richtung eine Weile sanft bergab um dann wieder leicht anzusteigen um dem Cerro Negro - einem Ausläufer des Cerro Lipez – auszuweichen. Von hier aus hatte ich einen weiten Ausblick nach Norden über eine unwirtlich scheinende Landschaft. Auf einem kleinen Pass hatte ich dann meinen etwa 20 minütigen Mittagsrast, von wo aus auch der weitere Weg – hinunter in's Tal und dann natürlich wieder bergauf in Richtung Tageshöhepunkt – zu sehen war. Viel hatte die Pause nicht gebracht als ich nach der Abfahrt und der kurzen Querung eines Baches den Anstieg zum Pass in Angriff nahm. Es fühlte sich noch ein Stück härter wie zuvor an, immer wieder wieder machte mir steile und manchmal auch sandige Passagen das Radfahrerleben schwer. Ein angenehmer Fahrrhythmus war da unmöglich. Im besten Fall reichte ein kurz Pause um den Beinen ein klein wenig Erholung zu gönnen und damit der Puls wieder etwas sinken konnte, bevor ich im Schritttempo weiterpedalte. Schlimmstenfalls hies es Pausieren und dann ein paar Meter steil hoch schieben bis nichts mehr ging, bremsen, wieder Pausieren, etc. Zum Glück waren diese Passagen nicht sehr lange, aber ein andauernder Kampf war es auf jedenfall. Nach drei Uhr Nachmittags hatte ich es endlich auf den Pass auf 4'800 m.ü.M. geschafft. Mittlerweile waren Wolken aufgezogen, welche aber nicht wirklich bedrohlich aussahen. Sogar der Gipfel des über 5'900 m hohen Cerro Lipez war noch gut zu sehen. Nach einer kurzen Pause machte ich mich auf die Abfahrt. Eigentlich sollte Radfahren bergab ja Spass machen, was hier aber durch den steinigen und zum Teil sandigen Untergrund definitiv nicht der Fall war. Mit im Schnitt 7 km/h war ich auch nicht wirklich schnell. Immerhin musste ich bergab nicht stossen. So nebenbei verlief die Strasse entlang von einem Flüsschen. Etwas mehr wie eine Stunde, 8 Kilometer und etwa 350 Höhenmeter Abfahrt war ich dann unten. „Unten“ war die Furt über den kleinen Fluss „Rio Iscu Mayu“, der klares Wasser führte, wo ich 2 Liter abfüllte. Eine Recherche mit Google Earth ergab, dass der Fluss in knapp 150 Kilometer entfernten Salar de Uyuni würde, womit dann Endstation für das wertvolle Wasser ist.

Als letzter Effort des Tages hiess es noch ein klein wenig die Passstrasse hinauf zu fahren, einfach um noch etwas Höhe zu gewinnen. Auf 4'600 m.ü.M. erreichte ich dann den ersten Platz, wo es möglich war das Zelt aufzustellen, gleich auf der Höhe von einem Erdhaufen (wird wohl für den Strassenunterhalt gebraucht). Ein besserer Platz war nicht in Sicht, der so Flach war und so wenige Steine und stachlige Pflanzen aufwies. Der Platz direkt vor dem Haufen hätte sich eigentlich perfekt zum Zelten angeboten, aber wohl auch, damit Fahrzeuge den entgegenkommenden Verkehr vorbei zu lassen. Vor allem im Dunkeln würde man mein grünes Zelt nur allzu leicht übersehen. Zum Glück war der Untergrund vis-à-vis gleich neben der Strasse plus minus flach. Die Steine und die harte Vegetation galt es mit der kleinen Schaufel so gut es ging auszugraben bevor ich das Zelt aufstellen konnte. Mein entzündeter Unterarm hatte daran aber keine Freude, genau so wenig ich an den Schmerzen. Nach sechs Uhr Abends wurden das Bergmassiv im Osten von der Sonne in ein warmes Licht getaucht, bevor sich diese dann verabschiedete. Höchste Zeit sich in den kuscheligen Schlafsack zurück zu ziehen. Der Wind war noch recht stark bis etwa 20.45 Uhr, so dass ich den Benzinkocher nicht starten konnte. Es gab dann Erstmal als Vorspeise Müesli, Wurst und „Guetzli“. Als der Wind dann abflaute gönnte ich mir eine meiner letzten gefriergetrockneten Menus, welche super einfach zu zubereiten sind: Wasser aufkochen, einfüllen, umrühren, ca. 10 min stehen lassen, nochmals umrühren, fertig, und gut schmeckten sie allemal. Gegen die Schmerzen im Arm gab es noch eine Tablette Diclofenac („Voltaren“).

Noch eine Anmerkung zum Verkehr: zu Beginn der Etappe überholte mich nur ein Auto, in der letzten Stunde waren es dann drei 4x4-Wagen (Tourenjeeps) wohl auf dem Weg nach Quetena Chico, dem nächsten Dorf im Westen. Dieses würden sie wohl nach an dem Abend erreichen. Für mich war es das Etappenziel des nächsten Tages.

Trotz der Höhe des Zeltplatzes auf 4'600 m m.ü.M. war es am nächsten Morgen vor Sonnenaufgang mit etwa 7 °C recht warm im Zelt. Im Freien war es wohl aber immerhin unter Null gewesen, was sich an etwas Frost am Zelt zeigte. Das Wetter zeigte sich wieder von der besten Seite und Wind hatte es auch nicht, perfekt also. Um halb Sieben entdeckte ich eine sich rasch bewegende Staubfahne auf der Strasse vom 4800er Pass herunterkommend. Die Touristenjeeps waren also auch bereits unterwegs. Es dauerte wohl nur ein paar Minuten, bis dieser auch schon an mir vorbeigefahren war. Es folgten noch zwei weitere, wobei der letzte kurz vor meiner Abfahrt um halb zehn Uhr anhielt. Es stellte sich heraus, dass es ein nettes Pärchen aus Frankreich handelte, dass mit einem gemieteten Geländewagen unterwegs war. Dann brach ich endlich auf. Es war auch Zeit los zu fahren, hatte mich die provisorische Reparatur des Reissverschlusses des Aussenzeltes (beim herunterziehen des Zippers schloss der Reissverschluss nicht mehr) viel Zeit gekostet. Wie auch immer, den 4'900 m.ü.M. gelegenen Pass erreicht ich immerhin noch vor elf Uhr, von wo aus sich eine schöne Aussicht auf die karge Berglandschaft, wobei der „eye-catcher“ die gräulich schimmernde Laguna Morejón war, welche ich auf meinem weiteren Weg noch passieren sollte. Mein schmerzender linker Arm machte die sehr holperige Fahrt zur 300 m tiefer gelegenen Lagune nicht besser – die 200 mg Ibuprofen und die 75 mg Diclofenac retard halfen da kaum mehr (Achtung: diese Medikamente sollten nicht kombinierte werde, da beide zur selben Klasse Schmerzmittel gehören!). War dann die Fläche erreicht wechselte der Pistenbelag im Bereich des einspeisenden Baches von bretthart auf weiches Kies. Zeitweises Schieben liess sich da nicht vermeiden. Immerhin verschwand das Kies auch bald wieder, nur um Sand Platz zu machen. Sand ist als Pistenbelag nicht besser wie das Kies von vorher als galt das Gesagte vom vorletzten Satz auch hier wieder. Die Piste wurde wieder besser als sie die nächste Steigung in Angriff nahm. Dass ich nicht der einzige Mensch weit und breit war bewies ein fahrtüchtig aussehendes Fahrzeug, das neben einem kleinen Haus in der Nähe abgestellt war. Es ist wohl kein Zufall, dass Leute hier ihr Haus gebaut hatten, gab es doch fliessend Wasser nicht weit Weg etwas oberhalb der Strasse. Davon füllte ich 4 Liter aber, da ich nur noch dreiviertel Liter Wasser übrig hatte und ich wusste damals nicht, ob ich es noch am selben Tag bis nach Quetena Chica schafen würde. Zuerst einmal hiess es das nun den noch schwereren Drahtesel die nächsten steilen 130 Höhenmeter hoch zu bringen, was eigentlich nur stossenderweise möglich gewesen war. Von der Anhöhe aus hatte ich ein letzes Mal Blick auf die Lagune und das Massivs des Cerro Lipez, bevor es hinunter auf eine Ebene ging, welche durch einen Canyon im Süden begrenzt wurde. Der einzige nennenswerte Bewuchs hie in der Höhe war „Ichu“. Ein Gras, dass in Büscheln recht hoch wächst, spitzig und recht ist. Es gibt der Landschaft einen gelb-bräunlichen „Touch“. Am Ende des Canyons querte die Piste nun das ausgetrocknete Flussbett und nach einem kurzen, aber brutalen Anstieg wares nicht mehr weit bis zum Parkeingang der „Reserva Nacional de Fauna Andina Edurado Avaroa“, der durch ein Schlagbauch und das Gebäude der Guardaparques (Parkwächter) markiert war. Ich zahlte die 150 Bolivianos (umgerechnet etwa 25 Sfr.) Parkeintritt und machte mich nach einer viertelstunde Pause wieder auf den Weg, obwohl ich bereits hundemüde war . Das Problem war, dass es bereits in weniger wie anderhalb Stunden Dämmern würde (es war bereits 17 Uhr) also musste ich etwas Gas geben, da ich unbedingt noch an dem Abend noch das Dorf erreichen und das waren noch 15 Kilometer bolivanische Piste! Die Schatten wurden immer länger und die tiefstehende Sonne tauchte alles in ein warmes Licht, inklusive dem Cerro Uturuncu, einem 6'000m hohen Vulkan im Südosten, was zwar im Prinzip schön anzusehen war, aber auch bedeutete, dass ich mich beeilen musste. Als letztes Hindernis vor der Zivilisation stellte sich mir der Rio Quetena in den Weg, just bei Sonnenuntergang. Eine Brücke gab es nicht – wird sind ja auch im bolivanischen Hinterland und nicht in der Schweiz - dafür aber ein Vado, sprich ein Durchgang durch den kleinen Fluss der sehr breit, dafür aber Untief war. Ich wechselte auf meine Sandalen und überquerte zum Test die Furt erst einmal zu Fuss, was bei knapp knietiefem und nicht extrem kalten Wasser recht problemlos klappte. Dann trug ich die Fronttaschen und die „Wurst“, wie ich den maximal 70 Liter fassenden Packsack nenne, der auf die Hinterradtaschen geschnallt ist, hinüber und erst dann schob ich das nun recht leichte Fahrrad hinüber. Ich wollte einfach das Risiko minimieren mit den Rädern im Flussbett stecke zu bleiben. Bis ich wieder fahrbereit war hatte es bereits beinahe eingedunkelt, aber zum Glück war die Piste für ein Weile sehr gut fahrbar und ich erreichte sogar 18 Stundenkilometer (!), was sich aber wieder änderte just bevor die Strasse ein letzte Kurve machte und ich die Lichter von Quetena Chico in der aufkommenden Dunkelheit sah. Die wieder schlechten Strassenverhältnisse und der plötzliche Gegenwind konnten mir nicht mehr all zu viel anhaben, da die Nähe zum Dorf Ansporn genug war. Um 19 Uhr dreissig, genau neun Stunden nach Aufbruch, war ich dann endlich am Etappenziel angelangt, als es endgültig Nacht war.

Per Zufall traf ich da auf zwei Geophysiker und ihre bolivianischen Mitarbeiter auf dem Weg zum Abendessen, welche mich netterweise mitnahmen. So fuhren wir zusammen mit dem Fahrrad auf ihrem Pick-up zum Restaurant mitten im Dorf, wo ich im Heisshunger zwei Mal Milanese (paniertes Schnitzel) und Pommes Frites ass. Im Verlaufe des späteren Abends bekam ich dann aber Durchfall – ich hatte den Tag durch bereits einen rumorenden Magen gehabt, wodurch ich den Vorschlag bei ihnen in der Unterkunft in einem leeren grossen Gepäckabladeraum zu übernachten, wo ich aber kein Zugang zu einer Toilette gehabt hätte, dankend verzichtet. Auf der gegenüberliegenden Strasse gab es zum Glück eine Touristenunterkunft, welche zwar voll war, aber man erlaubte mir am Ende des Ganges nahe der Zimmer und vor allem dem Bad auf dem Boden zu schlafen. Die heisse Dusche vor dem einschlafen war dabei wunderbar! Der Schlaf wurde glücklicherweise nur durch die um fünf Uhr Morgens zur Lagunenroute aufbrechenden Touristen etwas gestört. Ich stand erst auf, als es bereits lange Tag war, aber ich hatte ja keine Eile. Im Verlaufe des Vormittags wusch ich noch die dreckigsten Kleider, sonst machte ich eigentlich nichts aufregendes mehr an dem Tag. In dem Dorf, mit seinen staubigen Strassen, den sehr einfachen kleinen einstöckigen Häusern und ein paar wenigen, eher kärglich ausgestatteten Läden, gab es sowieso nichts zu tun. Für fitte Radfahrer wäre Quetena Chico jedoch ein super Ausgangsort für eine eintägige Besteigung des 6'000 Meter hohen Vulkans Uturuncu. Das Besondere daran ist, dass es möglich ist auf einer Minenstrasse bis auf ca. 5'700 Meter Höhe – ca. 30 km Fahrstrecke- hinauf zu fahren! Wo sonst auf der Welt ist dies möglich. Voraussetzung ist das nicht zuviel Schnee liegt, was im im November 2014 nicht der Fall war. Eine weitere Attraktion wäre die Laguna Celeste (Blaue Lagune) etwas weiter entfernt. Am Mittag war ich wieder hungrig, und so liess ich mich zu einem eher suboptimalen Mittagessen in einem Restaurant ausserhalb der Unterkunft verleiten (Reis, Spiegelei, Pommes Frites) - der Durchfall hatte ja bereits vor dem Zubettgehen aufgehört hatte – evtl. auch wegen der Einnahme von einer Tablette zur Unterstützung der Darmflora. Die Konsequenz folgte bald. Ich begann mir dann doch etwas sorgen zu machen,vor allem wegen der Verdauung, und nicht wegen dem immer eher noch stärker schmerzendem Unterarm. Ich hatte dabei den Verdacht, dass die Salmonellenvergiftung wieder ausbrach. Im Verlauf des Abends – ich war nun mittlerweile in ein Zimmer umgezogen (50 Bolivianos, ca. 7 Sfr.), nachdem sich die Unterkunft fast komplett gelehrt hatte - entschied ich mich, dass es so nicht weitergehen konnte und so erkundigte mich im Hostal, wie man von hier aus möglichst rasch nach San Pedro de Atacama kommen würde. Der Zufall wollte es, dass man eine Expressfahrt an die bolivianisch-chilenische Grenze für 1'000 Bolivianos anbot, umgerechnet ca. 140 US$, sehr viel Geld für bolivianische Verhältnisse, aber in dem Fall war mir das piepegal. Zum Glück hatte ich auch genug Bargeld und so war es beschlossene Sache. Bei Tagesanbruch würde es also losgehen.

Bericht wird fortgesetzt.

-Fahrtag 60 02.11.12 San Pablo de Lipez - San Antonio de Lipez (alles Piste):

l: 37.4 km, t: 4h 08 min, v mittel: 9.1 km/h, v max: 34 km/h, Höhendifferenz: 470 m, h max: 4230 m.ü.M.

-Fahrtag 61 03.11.12 San Antonio de Lipez - 5 km vor 4'900er Pass (alles Piste):

l: 36.7 km, t: 5h 50 min, v mittel: 6.5 km/h, v max: 20 km/h, Höhendifferenz: 920 m, h max: 4810 m.ü.M.

-Fahrtag 62 04.11.12 5 km vor 4'900er Pass - Quetena Chico (alles Piste):

l: 55.0 km, t: 6h 59 min, v mittel: 7.9 km/h, v max: 22.3 km/h, Höhendifferenz: 660 m, h max: 4900 m.ü.M.

-Fahrtag 63 06.11.12 Hito Cajon (Bolivianischer Grenzposten) - San Pedro de Atacama (Ab Paso Jama Strasse Asphalt):

l: 49.0 km, t: 2h 07 min, v mittel: 23.3 km/h, v max: 66 km/h, Höhendifferenz: 258 m, h max: 4650 m.ü.M.

Statistik der Etappe (in Klammer Tupiza-Quetena Chico): l: 334 (285) km, t: 38h 43min (36h 26min), v mittel: 8.6 (7.8) km/h, Höhendifferenz: 6224 (5966) m, mittlere Höhendifferenz/km: 18.6 (21) m, Fahrtage: 7 (6)

Gesamtstatistik (Trujillo-San Pedro de Atacama):

l: 3822 km, t: 301h 13min, v mittel: 12.7 km/h, Höhendifferenz: 46452 m



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