Vom Norden Perus bis ans südliche Ende des südamerikanischen Kontinents: Radreise von Trujillo nach Punta Arenas travel blog

Die sehr sandige Piste vor dem 4'700er Pass mit dem Kegel des...

 

Aussicht auf den Salar de Surire gen Westen.

Blühende Kakteen am Salar de Surire.

Eine "Yareta" Pflanze auf 4'500 m.ü.M am Pass südlich des Salars.


Bevor ich wieder aufbrechen konnte filterte ich zuerst einmal 12 Liter Wasser für die nächsten 2 Tage, was mit meinem kleinen Katadynfilter wohl etwa eine Stunde dauerte (Trinkwasser gab's keines von den Grenzbeamten). Eigentlich wäre es ja nicht mehr weit bis zum geplanten Übernachtungsplatz bei der Thermalquelle von Churiquaya gewesen, aber die Piste hoch zum knapp 4'700 Meter hohen Pass (Lago Chungara ca, 4'500 m.ü.M.) vorbei an schneebedeckten Vulkanen war ziemlich sandig und ich bereits futsch. So waren die Schatten schon sehr lange, als ich mich den Pass hochquälte. Oben angekommen zog ich rasch winddichte Kleidung und warme Handschuhe an, denn es war empfindlich kalt geworden und fuhr so schnell es die Schotterstrasse erlaubte die wenigen Kilometer hinunter zur Thermalquelle. Diese war nicht zu verfehlen, da man mittlerweile um den kleinen Thermalpool ein kleines Steinhaus gebaut hatte. Nach dem Aufstellen des Zeltes und dem Abendessen gönnte ich mir dann ein Bad in der ein wenig zu heissen Therme. Dafür gab es keinen grossen Temperaturschock beim verlassen des Wassers, da es im Innenraum angenehm war. In der Nacht wurde die Ruhe einmal durch ein herannahendes Auto gestört, das dann ganz in der Nähe parkte. Sorgen musste ich mir zum Glück nicht machen, da man (2 Männer) sich offenbar nur ein nachmitternächtliches Bad in der Therme genehmigen. Sie verschwanden auch bald wieder auch wieder.

Das heisse Thermalwasser nutzte ich am nächsten Morgen um meine nach einer Fahrwoche ziemlich schmutzig gewordenen Kleider und die Haare zu waschen. Dass ich dadurch recht spät losfuhr war nicht tragisch, da ich sowieso nicht vor hatte sehr weit zu kommen. Nach etwa 11 km bog ich in die Hauptpiste Putre-Salar de Surire ein, welche vor allem eines war, nämlich wellblechig. Verkehr gab es an diesem Tag fast gar keinen. Die Fahrt ging dabei an den Dörfchen Ancuta, Guallatire und dem gleichnamigen, leicht aktiven Vulkan vorbei, wobei ich keiner Menschenseele begegnete. In Guallatire war selbst das Conaf-Büro (Corporacion Nacional Forestal de Chile: Verantwortlich für die Nationalparks, Reservas Nacionales, etc.), der Polizeiposten und das einzige Hostal scheinbar verwaist. Einzig eine Katze und das Bellen eines Hundes im Hostal zeugten von etwas Leben. Wenige Kilometer später schlug ich bereits recht früh am Nachmittag beim ebenfalls verwaisten "Weiler" Visluba ein paar hundert Meter abseits der Strasse das Nachtlager auf mit Sicht auf die Schwefeldampf verhangene Südflanke des Vulkans Guallatire. Die verbleibende Zeit bis zum Abendessen verbrachte ich mit überprüfen der Schrauben an meinem Fahrrad, was ich normalerweise immer nach ein paar Fahrtagen auf "Rüttelpisten" machte.

Was mich am nächsten Morgen etwas irritierte war der an- und abschwellende Lärm, der von der Strasse herkam. Verursacht wurde er von Lastwagen, welche für eine Weile fast im Minutentakt in Richtung Süden vorbeifuhren. Ihr Ziel war sehr wahrscheinlich die Boraxmine am Salar de Surire, von welcher mir Thinu Rihs aus San Pedro de Atacama am Telefon erzählt hatte. Ein Blick auf meine Armbanduhr verriet mir, dass es Montag war. Deshalb war ich gestern keinem Lastwagen begegnet! Es war ja Sonntag gewesen. Die folgende etwa 44 km lange Etappe führte mich schlussendlich zum Salar de Surire (ca. 4'250 m.ü.M). Vom Pass kurz vor dem Salar waren die weissen Staubwolken gut sichtbar, welche der Wind von der Boraxmine am Westufer über den Salzsee blies. Dies war kein so schöner Anblick und ein Indiz dafür, dass man fleissig daran war den Salar auszubeuten. Gut für die Mienengesellschafft, schlecht für den Salar. An dessen nördlichem Ende bog ich dann nach Osten ab, da das westliche Ufer mit der Mine nicht wirklich attraktiv sein sollte. Ich musste nicht allzu weit fahren bis ich bei der Polizeistation an kam, wo ich einen Zwischenstopp einlegte. Ich wollte eigentlich nur nach Wasser fragen (ich hatte von Thinu erfahren, dass man den Carabineros Wasser bekommen könnte), ich bekam von den netten Polizisten aber weit mehr als die gebetenen 11 Liter, sondern auch noch eine nahrhafte Suppe, etwas zu Trinken und Schokoladenpudding als Dessert! Die Kalorien konnte ich sehr gut gebrauchen, obwohl ich die Mittagspause bereits gemacht hatte. Mittlerweile hatte auch herausgefunden, dass ich etwas knapp mit Zwischenverpflegung war, und so kam das 2. Mittagessen mehr als gelegen. Der Anblick der vielen Flamingos, welche in den Lagunen am Rande der Salzflächen nach Nahrung suchten, liessen mich immer wieder Pausen einlegen. Als ich mein Zelt neben der etwas sandigen Piste aufschlug war die Sonne schon bald am Untergehen, wobei sich im Dunst darüber für kurze Zeit ein rote Lichtsäule bildete!

Am darauffolgenden, neunten Fahrtag seit meinem Aufbruch von La Paz kam ich nicht weit. Das musste ich auch nicht, da die Thermas de Polloquere zu einem frühen Etappenstopp regelrecht einluden. So konnte ich mir auch einen kurzen Abstecher auf einen Hügel am Salar erlauben, welcher einen schönen Ausblick auf den grossen Salzsee gewährte. Der Piste war zwar stellenweise ein regelrechter Sandkasten und das Vorwärtskommen entsprechend mühsam, aber schon bei der Einmündung in den von westen kommenden Track war es ereits wieder ok. Hier war es auch, wo ich nach langer Zeit wieder Touristen antraf, welche mit einer Tour unterwegs waren. Von diesen bekam ich dann auch zwei Brötchen, eine Mandarine, eine Avocado und sogar 1.5 L Fruchtsaft geschenkt. Super! Als die letzten Touristen verschwunden waren stellte ich mein Zelt auf der windabgewandten Seite der Schwefelquellen auf und da es noch früh am Nachmittag war nahm ich die Gelegenheit beim Schopf und machte meine Übungen für den Oberkörper (Schultern, Arme, Rücken, Bauchmuskulatur). Diese etwa eine halbe Stunde dauernden Übungen, bei welchen ich zum Teil ein Theraband benutze, mache ich wenn möglich einmal pro Woche - meist aber seltener. So will ich vor allem meinen Rücken stärken, damit ich nicht wie nach der Rückkehr von der letzten Reise ein Bandscheibenvorfall bekommen werde. Das darauffolgende "Bad" am sehr seichten Rande der Lagune dauerte dann infolge der hohen Temperatur des Wassers nicht sehr lange, aber etwas entspannend war es trotzdem.

Von Entspannung am Tag darauf konnte dann aber keine Rede mehr sein. Mit der Überquerung des südöstlich gelegenen 4500 Meter Passes (es gab da ein paar kleine Queñuabäume und Yaretapflanzen zu bestaunen) war dann auch der Salar de Surire Geschichte und der anstrengende Tourenalltag hatte mich wieder eingeholt. Vor allem die sandige Wellblechpiste kombiniert mit teils viel Seitenwind machte mir das Leben schwer. Nur schon das Fahren geradeaus wäre an sich schon Herausforderung genug gewesen, denn es galt den am Besten fahrbaren Streifen zu finden, irgendwo im Übergangsbereich von üblem Wellblech zu unfahrbarem Sand. Der Seitenwind drückte mich aber regelmässig aus dem etwa 20 cm schmalen Bereich in den Sand, was mich dann abrupt stoppte und mehr wie einmal zum Fluchen brachte. Dass sich die hinteren Gepäcktaschen ein paar Mal teilweise aushängten - vor allem wenn die Piste wieder sehr ruppig wurde - half nicht wirklich. Gegen Ende des Tages führte mich die Piste durch ein abwechslungsreiche, felsige Landschaft vorbei am aschgrauen breiten Rücken des leicht aktiven Vulkan Isluga und dem gleichnamigen Dorf. Das Spezielle an dieser Ansammlung Häuser ist, dass es sich um ein zeremonielles zum Dorf handelt, welches nur zu speziellen Anlässen, Zeremonien eben, bewohnt werden, und die restliche verweist sind.Etwas weiter erreichte ich dann Enquelga,ein richtiges Dorf diesmal, das aber um am späten Nachmittag nur marginal bewohnter schien wie Isluga. Etwas Ausserhalb, bei der ausgebauten Therme von Enquelga, machte ich dann Schluss für den Tag. Anstatt, dass ich aber schön auspannen konnte liessen mich Mäuse zuerst das bei den Tischen und von Steinmauern windgeschützt aufgebaute Zelt auf die Wiese umziehen. Aber auch da gab es zumindest eine Maus, welche im Aussenzelt herumhuschte. Obwohl ich mein Essen daraufhin auf den Picknicktischen nagersicher deponierte war diese Sch***maus immer noch da. Da ich nicht wusste was sie alles anknabbern würde hätte ich sie gnadenlos totschlagen (ich bin ja sonst ein ziemlicher Tierfreund). Zum Zuschlagen kam ich nur einmal, mit teilweisem Erfolg, auf den ich am darauffolgenden Morgen überhaupt nicht Stolz war. Beim Zusammenpacken entdeckte ich nämlich keinerlei Nagespuren, dafür aber das abgehackte Schwänzchen der Maus, und welch süsse Maus es eigentlich war (sie hatte sich am Morgen nochmals gezeigt). Es tröstete mich immerhin, dass die Maus sowieso nicht allzu lange (ohne ihren Schwanz) leben würde - bei der kurzen Generationenzeit. Aus einem morgendlichen Bad in der Therme wurde auch dieses Mal wieder nichts, da diese nun noch kälter war wie am Abend zuvor. Ich erfuhr später, dass die Wassertemperatur am Mittag/Nachmittag am höchsten sei. Wie auch immer, das letzte Stück Schotterpiste vor der Asphaltstrasse zur bolivianischen Grenze war reine Formsache und mit Rückenwind (endlich einmal Wind von hinten!) erreichte ich die Zollstation von Colchane (Chile) kurz nach Mittag, wo ich mit Verzögerung die Zollformalitäten erledigte (zuerst waren die bolivianischen Beamten am Mittagessen, später verschwand der chilenische Beamte für längere Zeit). Zeit genug also um vor der Weiterfahrt in Richtung der Salzseen in Bolivien etwas zu essen und sich auf dem WC etwas zu waschen.

Nach dem fünftägigen Abstecher in Chile war ich nun offiziell wieder in Bolivien angelangt. Der Strassenmarkt von Pisiga mit seiner reichlichen Auswahl bot sich hervorragend dazu an die Lebensmittelreserven wieder aufzustocken - hier gab es Dinge, welche ich später nicht einmal mehr in Tupiza antraf z.B. Müsliriegel. Gemüse, frische Brötchen und meine geliebte Mayonaise in der Flasche besorgte ich mir dann im Zentrum des Städtchens/grösseren Dorfes. Erwähnenswert sind die vielen, recht neu aussehenden Scania Zugfahrzeuge mit schwedischem Kennzeichen (!), welche kurz nach der bolivianischen Grenze mit Fahrtrichtung Landesinnere, abgestellt waren.

Auf den etwa 40 km bis zum Etappenziel Sabaya gab es noch einen 4'000er Pass zu überwinden, welcher noch etwas Ausdauer erforderte, der mich aber mit einer rasanten Abfahrt (Schnitt ca. 40 km/h) bis kurz vor Sabaya belohnte. Im vermutlich einzigen zu der Zeit offenen Unterkunft (Residencial Paris, ca. 35 Bs, heisse Dusche:-) kam ich unter und nutzte die Gelegenheit wieder einmal Kleider zu waschen bevor ich in einem einfachen Restaurant/Laden mit netten Leuten zu Abend ass.

Fahrstatistik:

-Fahrtag 48 07.10.12 Thermas de Churiquaya - Vislubio (alles Piste):

l: 38.7 km, t: 2h 59 min, v mittel: 13 km/h, v max: 36 km/h, Höhendifferenz: 294 m, h max: 4450 m.ü.M.

-Fahrtag 49 08.10.12 Vislubio - am N-Rand des Salar d.Surire (alles Piste):

l: 44.0 km, t: 4h 22 min, v mittel: 10.1 km/h, v max: 35 km/h, Höhendifferenz: 605 (?) m, h max: 4340 m.ü.M.

-Fahrtag 50 09.10.12 am N-Rand des Salar d.Surire - Thermas de Polloquere (alles Piste):

l: 23.9 km, t: 2h 16 min, v mittel: 10.6 km/h, v max: 26 km/h, Höhendifferenz: 181 m, h max: 4320 m.ü.M.

-Fahrtag 51 10.10.12 Thermas de Polloquere - Thermas de Enquelga (alles Piste):

l: 54 km, t: 5h 05 min, v mittel: 10.6 km/h, v max: 31 km/h, Höhendifferenz: 509 m, h max: 4517 m.ü.M.

-Fahrtag 52 11.10.12 Thermas de Enquelga - Sabaya (ca. 16 km Piste, rest Asphalt):

l: 65.5 km, t: 3h 35 min, v mittel: 18.3 km/h, v max: 59 km/h, Höhendifferenz: 549 m, h max: 4041 m.ü.M.

Statistik Etappe Teil 2: Thermas de Churiquaya - Sabaya:

l: 226 km, t: 18h 17min, v mittel: 12.4 km/h, Höhendifferenz: 2138 m, mittlere Höhendifferenz/km: 9.5 m, Fahrtage (seit Corocoro): 5 (11), Ruhetage Seit Corocoro: 0



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