Vom Norden Perus bis ans südliche Ende des südamerikanischen Kontinents: Radreise von Trujillo nach Punta Arenas travel blog

Corocoro am späten Nachmittag - endlich konnte die Reise weitergehen!

Salzabbau irgendwo zwischen Caquingora und Callapa.

Auf dem Weg nach Callapa.

Grab"türme" (Chullpas) nahe der Strasse nach Caruhara de Carangas.

Die alte Kirche von Carhuara de Carangas.

Tier, Mensch und Fels bei Carhuara de Carangas.

Felsenlandschaft zwischen Carhuara und Turco.

 

Camp nach dem Pass - endlich wieder einmal ein Zeltplatz im Grünen...

Nach Turco fuhr ich gen Westen - die bolivianische "Pampa" lässt grüssen.

Auf der Fahrt zum Vulkan Sajama.


Am Morgen des 1.Oktobers ging's endlich los nach so langer Zeit in La Paz (knapp 2 Monate!). Marc begleitete mich noch zur Plaza Santa Isabel Catolica, etwas südlich vom Casa de Ciclistas gelegen, wo man mein Fahrrad und das Gepäck auf den Minibus lud. Für die Verabschiedung blieb nicht viel Zeit und bereits fuhr der Bus in Richtung Flughafen (El Alto). Dort belud ich mein Fahrrad und fuhr in geschätzte Richtung, von wo aus die Busse nach Corocoro starten. Zusätzliche ca. 10 L Wasser für die nächsten 2/3 Tage kaufte ich auch noch. Ich hätte mich gar nicht beeilen müssen, denn als ich bei der Busagentur in einem Aussenbezirk von El Alto gelegen ankam hiess es, dass der nächste Bus erst um 14.30 Uhr fahren würde. Somit musste ich mir noch etwa 2 Stunden um die Ohren schlagen. Wenigstens hatte es einen kleinen Laden und eine öffentliche Toilette gleich in der Nähe. Die Abfahrt verzögerte sich dann noch weiter und so kam ich schlussendlich ziemlich spät (ca. 16.50 Uhr) in Corocoro an. Ich wollte unbedingt noch etwas Distanz machen und so war es kein Wunder, dass es bereits Nacht war als ich an der Plaza von Caquincora (einem kleinen Dorf, ca. 18 km von Corocoro entfernt) eintraf. Etwas ausserhalb des Dorfes plante ich dann ganz ungestört zu zelten, was aber durch den unerwarteten Lastwagenverkehr zu so später Stunde etwas erschwert war. Zu allem Übel fing es noch zu regnen an, der sich aber wieder legte, als ich weg von der Strasse mein Lager aufschlug. Später in der Nacht hörte ich jemanden Rufen. Tatsächlich waren da ein paar Personen wohl 200 Meter entfernt. Was die wohl wollten? Sie meinten wohl mich, aber zu so später Stunde wollte ich einfach nur meine Ruhe haben, also reagierte ich nicht. Die Leute leuchteten noch ein paar Mal mit ihren Lampen zu mir rüber, bevor sie dann endlich weiter in Richtung Dorf gingen. Der nächste Tag fing dann wieder mit strahlend blauem Himmel an, perfekt für den wirklichen Start zu meiner ersten (richtigen) Bolivienetappe. Sie führte mich über weite Strecken unbewohntes, hügeliges Land. Die Strecke war vor allem in der ersten Hälfte abwechslungsreich. So querte ich am Morgen querte ich dabei ein Tal, wo Salz abgebaut wurde (durch Verdunstung von stark salzhaltigem Wasser). Danach gab es auch kaum mehr Verkehr. Dass hier in dieser wunderbaren Einsamkeit doch noch Leute wohnen zeigte sich, als ich inmitten der Pampa an einer kleinen Schule vorbeikam, wo doch immerhin 11 Schüler (bis 12 Jahre alt) unterrichtet wurden. Erwähnenswert sind noch die kurzen, fiesen Steigungen, welche mich doch etwas an den Anschlag brachten und der Hirtenhund, welcher mir in eine der hinteren Taschen bleibende Spuren in Form von zwei Löchern hinterliess.

Im Verlauf des Nachmittags hatte ich dann bereits das Dorf Callapa passiert und war dann kurz darauf wieder auf Asphalt, sprich auf der der Strasse Arica (Chile)-Patacamaya. Dies ist eine der wichtigsten Vehrkehrsachsen Boliviens, da wohl ein Grossteil der Importware von den (ehemaligen bolivianischen) Pazifikhäfen Chiles herangekarrt wird. Nach 25 Kilometern meist gegen den Wind und mit häufigen, kleinen Steigungen war die Dämmerung nicht mehr weit und ich ziemlich kaputt. Das Zelt schlug ich nahe der Strasse in erhöhter Lage auf.

Bis ich auf die nächste Piste kam gab es noch ein paar Asphaltkilometer herunterzustrampeln, aber bereits vor Mittag war ich in Carhuara de Carangas, wo ich meine Wasserreserven auffüllte (diese hatten von Corocoro bis hierhin gereicht). Durch eine fantastische Felsenlandschaft ging's weiter Richtung Süden einzig getrübt durch die Unsicherheit, ob ich wirklich auf dem richtigen Weg war (es gab doch ab und zu zweifelhafte Abzweigungen). Die russische Generalstabskarte im Massstab 1:500'000 war zu ungenau und die Strasse auf der GPS-Karte verlief auch nicht dort, wo ich mich bewegte. Schlussendlich stellte es sich aber heraus, dass alles ok war und die GPS-Strasse verlief ebenfalls in die selbe Richtung, wenn auch etwas nach Westen versetzt. Gegen den Schluss der Etappe, als ich wieder einmal schlapp war munterte mich der Anblick der vielen Lamas und Alpakas auf und auch der erste Suri (auch Nandu genannt, eine kleiner Verwandter des Vogelstrauss), den ich in Boliven sah, liess mich die Strapazen etwas vergessen, wenn auch nur für kurze Zeit. Immer wieder gab es kraftraubende sandige Passagen, welche mich zum Teil zum Stossen zwangen. Das Zelt stellte ich an einem idyllischem Platz jenseits des 4'160 m hohen "Passes" auf und zwar mitten im Grünen, sogar kleine Bäche flossen links und rechts vorbei)! Als ich am nächste Morgen am Frühstücken war bekam ich überraschenderweise Besuch von einer alten Frau. Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich mutterseelenaleine hier oben wäre. Sie und ihr Familie wohnten dabei nur ein paar hundert Meter entfernt nahe an den Bergen und leben von ihren Schafen und den paar Alpakas. Erst mit dem Fernglas konnte ich später die 2 Häuschen entdecken. Den Winter, wenn hier auf über 4'100 m.ü.M. Schnee liegt, verbringen sie in La Paz, sprich El Alto. Auf dem weitern Weg kam ich noch an ein paar Häuschen, einer kleinen Kirche und sogar einer Schule vorbei. Gemäss einer Bewohnerin ist diese aber seit diesem Jahr geschlossen, da die Schüler fehlen. Bis Turco, dem nächsten Dorf, war es nicht mehr so weit und vor allem ging's bis dahin nur noch das Tal hinunter. Im Dorf füllte ich mein Wasserreserven auf, dass heisst ich filterte mir das Wasser von der Quelle des Dorfes, von wo der Dorfbach entsprang, welchen die Frauen und Männer zum Waschen ihrer Wäsche verwendeten. Ich kaufte noch ein paar Früchte bevor ich auf der Piste entlang der bolivianischen "Pampa" nach Westen aufbrach.

Nach einem ausgedehntem Mittagsrast bei den bizarren Felsformationen in Pumiri (das nahegelegene "Hotel" schien dabei verwaist) ging's immer weiter in Richtung Westen der "Pampa" entlang. Ich war doch froh, dass ich mich von Martina und Jons zu einem Abstecher nach Chile hatte inspirieren lassen und nicht wie geplant direkt nach Uyuni fuhr, was etwa drei Tage fahrt durch die endlos und langweilig erscheinenden Weiten bedeutet hätte. Es dauerte aber nicht lange und ich sollte den Nachteil von einer Fahrt gegen den Sonnenuntergang deutlich zu spühren bekommen nämlich Wind und das nicht zu knapp. Auf einer schlechten Strasse gegen Ende des Tages ist das überhaupt nicht lustig und so war dann wieder einmal ziemlich geschafft, als ich mich kurz vor Sonnenuntergang in die Büsche respektive hinter einen kleinen Sandwall gleich neben der Strasse schlug. Wie eigentlich fast immer auf der Reise seit Peru war bald nach dem Eindunkeln auch wieder schluss mit dem Wind (bis zum folgenden späteren Morgen).

Die zwei schneebedeckten Berge in der Distanz wurden im Verlaufe der folgenden Etappe ziemlich unbedeutend als dann der Vulkan Sajama im Nordwesten auftauchte. Da ich mich direkt auf ihn zubewegte dominierte er bald die Szenerie. Auf der letzten Reise hatte ich ihn nur aus der Ferne, respektive für kurze Zeit vom Bus aus gesehen, aber dieses Mal hatte ich alle Zeit der Welt um das Bild diess mächtigen Berges auf mich einwirken zu lassen. Mittlerweile hatte ich mich in einem Dorf ein paar Kilometer vor der Asphaltstrasse nach Arica verpflegt, Wasser "getankt" und war dann auch wieder auf einer wunderschön ebenen Strasse daran Höhe zu gewinnen. Auf dem vorletzten Pass vor der Grenze, auf 4'200 m.ü.M., war dann schluss für diesen Tag, keine schwierige Entscheidung bei der Ausssicht auf den Sajama im Norden und die beiden kegelförmigen Vulkane Parinacota und Pomerape im Westen.

In Tambo Quemado, dem letzten Ort vor der Grenze, kaufte ich noch Brot und Kekse (auf der chilenischen Seite gibts für eine Weile nichts zu kaufen) bevor ich mich die paar hundert Höhenmeter bis zum Pass auf knapp 4'700 m.ü.M. (Grenze) hochkeuchte. Die letzten Reste Wurst und Käse waren Rasch verschlungen, neben Früchten, Gemüse und Nüsse dürfen auch diese Produkte nicht nach Chile eingeführt werden. Die Diät für die folgenden Tage würde also ziemlich abwechslungsarm ausfallen. Am chilenischen Zoll am Lago Chungara wurden dann bolivianischen und die chilenischen Grenzformalitäten erledigt bevor ich die Lebensmitteldeklaration ausfüllte und daraufhin mein Gepäck geröngt wurde. Eine meiner Taschen wurde dann inspiziert, zum Glück nicht diejenige, wo ich den Knoblauch aufbewahrt hatte, dieses "Zückerli" wäre ich definitiv losgeworden. Eigentlich hätte ich aber all die verbotenen Lebensmittel einfach bei der Abzweigung noch vor dem Zoll verstecken und sie dann beim Weiterfahren wieder einpacken müssen.

Fortsetzung im Bericht "Lago Chungara - Salar de Surire - Sabaya "Von Corocoro nach Uyuni

Teil 2)

Fahrstatistik:

-Fahrtag 42 01.10.12 Corocoro - Caquingora (alles Piste):

l: 19.1 km, t: 1h 48 min, v mittel: 10.6 km/h, v max: 31 km/h, Höhendifferenz: 156 m, h max: 4100 m.ü.M

-Fahrtag 43 02.10.12 Caquingora - Callapa - 20 km vor Carhuara de Carangas (40.5 km Piste dann ca. 25 km Asphalt):

l: 65.4 km, t: 5h 11 min, v mittel: 12.6 km/h, v max: 46 km/h, Höhendifferenz: 660 m, h max: 3970 m.ü.M

-Fahrtag 44 03.10.12 20 km vor Carhuara de Carangas - 17 km vor Turco (21 km Asphalt dann 34 km Piste):

l: 55.3 km, t: 4h 51 min, v mittel: 11.4 km/h, v max: 59 km/h, Höhendifferenz: 694 m, h max: 4160 m.ü.M

-Fahrtag 45 04.10.12 17 km vor Turco - 15 km vor Agua Rica (alles Piste):

l: 57.2 km, t: 5h 01 min, v mittel: 11.4 km/h, v max: 39 km/h, Höhendifferenz: 300 m, h max: 4160 m.ü.M

-Fahrtag 46 05.10.12 15 km vor Agua Rica - 17 km vor Tambo Quemado, am Sajama (ca. 47 km Piste, dann ca. 10 km Asphalt):

l: 57.6 km, t: 4h 39 min, v mittel: 12.4 km/h, v max: 25 km/h, Höhendifferenz: 537 m, h max: 4300 m.ü.M

-Fahrtag 47 06.10.12 Camp. Sajama - Thermas de Churiquaya (ca. 33 km Asphalt, 10 km Piste):

l: 43.1 km, t: 4h 22 min, v mittel: 9.3 km/h, v max: 36 km/h, Höhendifferenz: 650 m, h max: 4700 m.ü.M

Statistik Etappe Teil 1:

l: 298 km, t: 25h 52min, v mittel: 11.5 km/h, Höhendifferenz: 2997 m, mittlere Höhendifferenz/km: 10.1 m, Fahrtage: 6, Ruhetage Seit Corocoro: 0

Provisorischer Bericht:

In den letzten mehr als zwei Wochen seit meinem Aufbruch in La Paz respektive dem ca. 100 km südlich gelegenen Corocoro habe ich ziemlich viel erlebt, unter anderem bin ich durch schöne (Fels)landschaften geradelt, habe schneebedeckte Vulkane gesehen und auch nette Begegnungen mit Leuten gehabt. Auf den mehr als 800 km Weg nach Turco, Lago Chungara, Salar de Surire, Salar de Coipasa und Salar de Uyuni um schlussendlich nach 14 Radeltagen in Uyuni anzukommen gab es aber auch schwierige Momente mit viel Fluchen (leider) infolge schlechter Strasse oder unebenen Salar, aber das Positive überwog bei weitem.

Update:

Ich wurde in der Nacht auf Montag krank (Bauchweh, keine Energie, offenbar etwas Fieber). Am Montag abend wurden dann Salmonellen diagnostiziert (evtl. vom Wasser oder Gemüse). Deshalb nehme ich Antibiotikas für 8 Tage (seit gestern geht es mir wieder gut). Deshalb werde ich auch erst am nächsten Dienstag (30. Oktober) abfahren und zwar auf der geplanten, aber nun etwas abgespeckten Route.



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