Vom Norden Perus bis ans südliche Ende des südamerikanischen Kontinents: Radreise von Trujillo nach Punta Arenas travel blog

Abfahrt vom Pass "Abra Huamina" nach Regen - eine schlipfrige Angelegenheit.

Der Rio Pampa ist überquert und ich bin wieder in der Wärme...

Diese "Motos" sind sehr beliebt in Peru.

Hier wird "Adobe" eine Art Ziegelstein aus geeigneter Erde und Gras hergestellt...

Ein Selbstporträt auf der Abfahrt nach Andahuaylas.

Wieder einmal war es spät geworden und es war immer noch kein...

Panoramablick von der Abra Tocto auf die Cordilera Vilcabamba.

Am Rio Apurimac.

Nevado Salkantay im Morgenlicht kurz vor dem Pass "Abra Huillque"

Blick auf die ehemalige Hauptstadt der Inka-Kultur, Cusco.

Links im Bild ist die Kathedrale zu sehen, rechs davon die Kirche...


Nach zwei Ruhetagen in Ayacucho - mit seiner schönen Innenstadt mit den vielen Kirchen und Gebäuden aus der Kollonialzeit - wartete ein weiteres Stück ziemlicher Pedalerei auf mich. Auf der Strecke bis Cusco warteten in etwa 4 4000er Pässe auf mich und dazwischen sollte es immer wieder weit hinunter in’s Tal gehen. Die Strecke nach Andahuaylas war wohl das anstrengenste Teilstück: abgesehen vom asphaltierten Anstieg von Ayacucho (2’750 m.ü.M.) bis zur Passhöhe vom “Abra Sorocchocha” auf ca. 4’200 m.ü.M. und den letzten 10, 12 Kilometer vom Fluss hinauf zur Stadt war alles Piste. Dies wird sich jedoch bald ändern, da momentan umfangreiche Bauarbeiten stattfinden und bis voraussichtlich Ende August 2012 (gemäss einem Bauarbeiter) die ganze Strecke asphaltiert sein wird. Klar ist das ein grosser Fortschritt für Region, aber die Strecke verliert dadurch auch etwas von ihrem Reiz, nicht nur deshalb, weil wohl der Verkehr stark zunehmen wird und die Fahrzeuge viel schneller – sprich gefährlicher – unterwegs sein werden, wie zu Zeiten der Piste.

Wie auch immer, leichte Verdauungsbeschwerden begleiteten mich beim ersten Campieren auf der Abra Sorocchocha, aber am darauffolgenden Morgen war alles wieder i.O. – vermutlich hatte mein Körper nicht so viel Freude an den 1'500 m Unterschied in der Schlafhöhe. In der Nacht regnete es zum Teil und auch am Morgen fielen ab und zu ein paar Tropfen, aber das kam mir eigentlich nicht ungelgen, so konnte ich ein bischen länger Liegenbleiben. Beim Zusammenpacken blieb es dann trocken, aber nicht allzu lange und es wurde wieder feucht. Zum Glück war der Regen von nicht allzulanger Dauer (ca. 45 min), aber auch so war die Abfahrt hinunter ins Tal nicht wirklich spassig. Durch den Regen war die Erdpiste teilweise sehr rutschig und verlangte volle Konzentration. An annähernd rasantes Fahren war nicht zu denken. Ab auch so erreichte ich rechtzeitig einen ziemlich versteckten Platz zum Zelten. Der nächste Tag war dann recht anstrengend da es nach dem Ueberqueren des Rio Pampa auf 1'900 m.ü.M. zuerst flussaufwärts und danach verhältnismässig steil zum nächsten Pass hinauf ging. Die Hitze und die müden Beine machten mir zusätzlichn das Leben schwer. Und eigentlich war es doch bald einmal Zeit einen Mittagsrast einzulegen, aber natürlich gab es kaum einen anständige, schattigen Platz - und wenn ja, dann gab es da diese gelben, fruchtfliegenähnlichen und stechenden Insekten, welche mich zur Flucht zwangen. Schlussendlich kam ich in Chincheros an, von dem der Radreiseführer schrieb, dass es ein ursprüngliches Bergdorf sei, wo die Kinder kilometerweit hinterherlaufen würden, aber es war eher das Gegenteil der Fall. Ich wurde einfach ignoriert im Gegensatz zu früheren Bergetappen, wo die Kinder zumindest "Gringo, gringo" riefen und auch dahergerannt kamen. Wie auch immer, da infolge der Bauarbeiten die Seitenstrassen durch Erdwälle blockiert waren konnte ich auch nichts in den Läden kaufen. Die Rettung kam dann aber in Form einer Tankstelle, wo ich meinen Blutzuckerspiegel mit Sprite und Cola wieder in Schuss brachte und nun endlich Mittagessen konnte ungstört von Stechfliegen und der starken Sonnenstrahlung. Gestärkt machte ich mich wieder auf noch möglichst weit zu kommen bevor es dunkel wurde - immer in der Annahme, dass dann schon ein geeigneter Ort zum Zelten kommen würde. Als ich das letzte Dorf, Urcos, passierte war die Strasse längst perfekt asphaltiert und das sollte auch noch ein ganze Weile so bleiben. Am Dorfausgang war man gerade dabei Adobe herzustellen. Das sind Ziegelsteine der Landbevölkerung aus tonhaltiger Erde vermischt mit Stroh, welche, soweit ich mich erinnere, ca. 14 Tage an der Sonne getrocknet werden, bevor Sie für den Hausbau verwendet werden können. Bis ich die letzten Häuser hinter mich gelassen hatte verging noch ein Weile und es war bereits weit nach fünf Uhr als da ein schmale Naturstrasse in ein Wäldchen abzweigte. Ein Blick in Richtung weiterem Verlauf der Strasse liess mich nicht lange Zögern, denn ein bessere Gelegenheit von der Strasse wegzukommen, schien es nicht zu geben. Zwanzig sehr holperige Minuten später, wobei der Weg zu steil zum Fahren gewesen war, hatte ich meinen Zeltplatz gefunden: nicht perfekt aber gut genug und sowieso war es am Eindunkeln und der auffrischende, eisige Wind liess mich das Zelt schleunigst Aufstellen. Wie schön war es im Zelt unter dem warmen Schlafsack zu liegen während das Abendessen auf Kocher gleich neben dem Zelteingang vor sich hin köchelte. Das nenn ich Luxus! Im Gegensatz zur Nacht vorher bewunderte ich dieses Mal den Sternenhimmel mit der Milchstrasse und dem Sternbild Skorpion hoch über mir nur für ein viertel Stunde, zu Müde war ich und so spührte ich die Kälte auch stärker als normal – Zeit schlafen zu gehen war es allemal.

Noch vor der Mittagpause am daraufolgenden Tag hatte ich wieder einmal einen viertausender Pass überquert, auch wenn es sich einfacher anhört, wie es effektiv war. Extrem anstrengend war es aber auch nicht, bei dem super Asphalt und der eher moderaten Steigung. Nach einer rasanten Abfahrt konnte ich dieses Mal ziemlich entspannt nach Andahuaylas einrollen, wo ich einen Ruhetag einlegte. Den freien Tag wollte ich dann nutzen um eine Ruine aus der Inkazeit zu Besuchen, aber die streikenden Lehrer machten mir einen Strich durch die Rechnung: kein Taxi und kein Bus fuhr weder nach Cusco noch nach Ayacucho, erst recht nicht hoch zur Lagune, von wo aus die einstündige Wanderung zum archäologischen Komplex hätte beginnen sollen. Steine, Autoreifen und Glasscherben verhinderten dies sehr effektiv. Am darauffolgenden Tag meiner Abfahrt war dann der Spuck wieder vorbei und von der Blockade war nicht mehr viel Uebrig. Zum Glück hatte man die Scherben zum Grössten Teil weggeputzt und so kam ich ohne einen Platten aus der eher hässlichen Stadt heraus. Nachdem die Stadt und die Strassenarbeiten hinter mir lagen ging's in angenehmer Steigung hinauf in Richtung Pass. Die verschneiten Gipfel der Cordillera Villcabamba in der Ferne versüssten dabei die Anstrengung. Was dabei ein verwirrt erscheinender Mann ohne Schuhe in einer Höhe von über 4000 m.ü.M. weit weg von jeglichen Dörfern verlohren hatte war mir ein Rätsel, auf jedenfall dachte ich mir, dass er eine Mandarine und eine Banane wohl gut gebrauchen konnte (er nahm die Früchte an, aber auch da keine Ton; ob er evt. taub ist?). Nach einer Nacht auf einem idyllisch gelegenen Schlafplatz 30 Meter oberhalb der Strasse war dann das Ziel Abancay, der letzte Etappenhalt vor Cusco. Erwähnenswert ist dabei die endlos erscheinende Abfahrt auf der Erd/Schotterpiste hinunter in's Tal mehr als 2'000 Höhenmeter tiefer. Zum Glück gab es kaum Verkehr, aber es reichte auch so, dass ich Unterwegs einen langen Lastwagen zu überholen hatte. Er war etwas langsamer als ich und so war es mir zu blöd ständig Staub zu schlucken. Auf einem geraden Stück wagte ich es dann zu überholen, was aber infolge dem sandigen Strassenrand nicht ungefährlich war. In Abancay, der letzten Stadt vor Cusco, übernachtet ich in einem Hostal bevor es am Tag darauf wieder in die Höhe ging. Die Strasse windete sich endlos den steilen Berghang östlich der Stadt hinauf und noch es schien tatsächlich so, wie wenn man nie aus dem Tal hinauskommen würde. Abwechslung bot da die Aussicht auf den Hausbert Abancays, den über 5'000 m hohen Nevado Ampay. Ein Hund folgte mir noch eine zeitlang nach und erst nach etlichen Steinwürfen (ohne ihn natürlich treffen zu wollen) kehrte er um. Da ich bald ein Mittagspause machen wollte konnte ich keinen anhänglichen Hund gebrauchen. Der letzte 4'000er Pass war auch irgendeinmal geschafft und als Belohnung wartete das wunderschöne Panorama mit dem Nevado Salkantay (weit über 6'000 m hoch) und seinen ebenfalls schön schneebedeckten Nachbarn.

Auf der rasanten Abfahrt hinunter ins Tal traff ich nach langer Zeit wieder einmal einen anderen Tourenfahrer, diesmal einen jungen Engländer auf dem Weg in den Norden. Nachdem wir uns ausgetauscht hatten gingen wir wieder unsere Wege. Meiner führte mich am Dorf Curahuasi vorbei, wo ich meinen Wasservorrat auffüllte und auch etwas für meinen Blutzuckerspiegel tat (dank der Coca Cola Company, auch wenn ich das ungern zugebe). Weiter gings auf vielen Serpentinen bergab und bald einmal war auch die Sonne weg. Die Minikapelle direkt neben der Strasse, welche mir vom Tourenfahrer als Uebernachtungsort empfohlen worden war schien mir aber doch nicht das gelbe vom Ei zu sein, da auf der Vorderseite offen und gut einsehbar. Ich fuhr deshalb noch eine Kurve weiter und versteckte mich so halb passabel hinter niedrigen Büschen 50 Meter weg von der Strasse neben einem Acker. Der Platz wird sicher nicht die vorder Ränge meiner bisanhin Besten Zeltplätze besetzen, vor allem der Ameisen wegen (ins Innezelt gelangte aber keine).

Der nächste Tag startete bewölkt, als ich mich auf den Weg hinunter ins schöne Tal des Rio Apurmac machte, aber es ging nicht lange bis mir die Sonne wieder auf den Kopf, respektive Helm brannte. Noch gefiel es mir sehr gut,als ich dem Fluss entlang durch eine Schlucht fuhr, aber das Gefühl ging zu rasch vorbei. Die Strasse wandte sich nämlich gegen Osten und damit weg vom Fluss und begann wieder anzusteigen. Bei einer Höhe von unter 2`000 m war es mir bald zu heiss und als ich dann endlich im Städtchen Limatambo einfuhr war ich ziemlich fertig und was ich da zuletzt gebrauchen konnte war ein Jugendlicher, welcher neben mir herfuhr... Wie auch immer, ich flüchtete mich in den Schatten vom Restaurant Mirador, wo ich zu Mittag ass und mir das eine oder andere kühle Getränk genehmigte. Die Zeit bis zum Aufbruch um 2 Uhr nützte ich noch um etwas Gemüse und Früchte einzukaufen. Noch bevor ich aus Limatambo herausgefahren war sah ich eine Chollita (so werden die Frauen vom Lande genannt) mit ihrem Gepäck aus eine Bus steigen. Aus neugierde fragte ich die Frau, ob ich mal fühlen könnte, wie schwer ihre Beutel und die Tasche war: um es kurz zu machen, das Gewicht des Umhängebeutels war schon heftig, aber der Sack Kartoffel, welcher ich ihr half auf die Schultern zu wuchten und dann noch die schwere Tasche machte alles in allem wohl sicher 20 kg, und das ohne Rucksack mit bequemen Traggestell. Dass sie noch 3 h den Berg hoch zu laufen hatte liess mein Respekt ihr gegenüber noch grösser werden. Dann war mir mein beladener Drahtesel doch lieber.

Am nächsten Tag war es nicht mehr weit zum Pass Abra Huillque (ca. 3'700 m.ü.M), da ich bis in die Dämmerung gefahren war und auf den letzten Drücker noch einen Platz zum Zelten recht nahe der Strasse gefunden hatte. Die Aussicht auf den Nevado Salkantay auf dem Weg zur Passhöhe war das Highlight des Tages und liess mich immer wieder anhalten um Fotos zu machen. Der Rest der Etappe bis vor Cusco verlief eigentlich ziemlich unspektakulär bis dann der allerletzte Pass überquert war und die ehemalige Hauptstadt des Inkareichs unter mir lag. Am Abend musste ich übrigends zweimal Essen gehen, da im ersten (touristischen) Restaurant die Portionen von Vorspeise, Hauptgang und Nachspeise keineswegs meinen Kalorienbedarf deckten. Im zweiten Restaurant kam ich dann doch noch auf meine Kosten und war dann am Schluss ziemlich gesättigt. Ueberhaupt habe ich eigentlich fast immer Hunger, sei es wärend dem Fahren oder an Ruhetagen.

Die darauffolgenden Tage im Hostal Estrellita (ich war da in einem Dormitorio, sprich Massenschlag, dazu aber später) verbrachte ich mit Reparaturen (Flicken von Löchern in einer der Fronttaschen) und Fahrradunterhalt (Reinigung vor allem von Kette, Kranz und Kassette, Messung von Kettenlängung, Check ob Bremsbeläge ausgetauscht werden müssen, Einstellung der Scheibenbremse, Check der Zentrierung derLaufräder, etc.).

Fahrstatistik:

Fahrtag 22: 7.7.12, Ayacucho-Zeltplatz nach Abra Huamina, l:67.9 km (14 km Piste), t: 6h 51min, v mittel: 9.9 km/h, v max: 53km/h, Höhendifferenz: 1'747 m, max. Höhe: 4'200 m.ü.M

Fahrtag 23: 8.7.12, Zeltplatz nach Abra Huamina-Zeltplatz nach Chumbus, l: 61.5 km (alles Piste), t: 3h 58min,v mittel: 15.5 km/h, v max: 36 km/h, Höhendifferenz: 174 m, 4'200 m.ü.M

Fahrtag 24: 9.7.12, Zeltplatz nach Chumbes - Zeltplatz nach Uripa, l: 57.2 km (40 km Piste), t: 6h 18min, v mittel 9.1 km/h, v max: 33 km/h, Höhendifferenz: 1'649 m

Fahrtag 25: 10.7.12, Zeltplatz nach Uripa - Andahuaylas, l: 70.2 km, t: 4h 27min, v mittel: 15.7, v max: 61 km/h,, Höhendifferenz: 865 m

Fahrtag 26: 12.7.12, Andahuaylas - Zeltplatz nach Kishuara, l: 63.8 km (6 km Piste), t: 5h 47min, v mittel: 11.0 km/h, v max: 48 km/h, Höhendifferenz: 1'470 m, max. Höhe: 4'100 m.ü.M

Fahrtag 27: 13.7.12, Zeltplatz nach Kishuara - Abancay, l: 80.6 km (62 km Piste), t: 5h 13min, v mittel: 15.4 km/h, v max: 38 km/h, Höhendifferenz: 820m

Fahrtag 28: 14.7.12, Abancay - Zeltplatz nach Curahuasi, l: 85.1 km, t: 6h 41min, v mittel: 12.7 km/h, v max: 66 km/h, Höhendifferenz: 1'687 m, max. Höhe: 4'000 m.ü.M

Fahrtag 29: 15.7.12, Zeltplatz nach Curahuasi - Zeltplatz kurz vor Abra Huillque, l: 57.4km, t: 5h 53min, v mittel: 9.8 km/h, v max: 50 km/h, Höhendifferenz: 1'787 m, max. Höhe: 3'680 m.ü.M

Fahrtag 30: 16.07.12, Zeltplatz kurz vor Abra Huillque - Cusco, l: 55.8 km, t: 3h 15min,v mittel: 17.2 km/h, v max: 60 km/h, Höhendifferenz: 531 m, max. Höhe: 3'700 m.ü.M

Total (Trujillo-Cusco): l: 1805 km, t: 142.5 h, Höhendifferenz: 27'556 m, Fahrtage: 30



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